#Flüchtlingskanal: CSU fordert neuen TV-Sender

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer fordert ARD und ZDF auf, einen Integrationskanal für Flüchtlinge einzurichten. Wie der Branchendienst epd-medien heute berichtet, solle der neue Sender nach dem Willen der CSU „Deutsches Integrationsfernsehen“ sein. Auf dem Programm sollte die „Vermittlung unserer deutschen Werte und unserer deutschen Leitkultur“ stehen. Intendant Thomas Bellut (ZDF) und ARD-Vorsitzender Lutz Marmor äußerten sich nicht direkt auf das an sie gerichtete Schreiben der CSU. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass nicht die Intendanten über neue Sender befinden sondern die Bundesländer.

Die Idee eines Integrationskanals ist nicht neu. Auch in den 1990er Jahren wurde darüber debattiert – und dann zu den Akten gelegt. Und das zu Recht: der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen Funktionsauftrag, für alle zu senden und dadurch einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte zu liefern. Im Idealfall sollte er per se integrativ wirken. Um diesem Ideal näher zu kommen, wäre es wichtig, statt „deutscher Leitkultur“ die Vielfalt der Gesellschaft viel stärker als bisher im Programm und bei den Mitarbeitern zu verankern. Auch ein Diversity-Beauftragter in jedem Sender kann diesen Prozess unterstützen. Diese/r könnte aktiv Rekrutierungsmaßnahmen, Fortbildungen für alle Mitarbeiter und Öffentlichkeitsarbeit vorantreiben. Bisher gibt es erst zwei Diversity-Beauftragte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wobei nur einer seine Kontaktadresse veröffentlicht hat.

Laut epd-Beitrag will die ARD demnächst die „Tagesschau 100 Sekunden“ mit englischen und arabischen Untertiteln versehen. Das ZDF will lediglich die Kindernachrichten „Logo“ mit arabischen Untertiteln anbieten. Offenbar denkt das ZDF, die Flüchtlinge müssten auch inhaltlich erst langsam an die komplexe Nachrichtenlage herangeführt werden – oder der Sender zielt tatsächlich nur auf die Zielgruppe der Kinder?!

Die Initiative für einen Publikumsrat begrüßt durchaus, dass mehrsprachige Untertitelungen ausgebaut werden sollen. Auch das Senden von Originalsprachen wäre ein wichtiger Schritt, die Sprach- und Kulturkenntnisse der lange ansässigen Bevölkerung zu bilden. Die Idee eines Flüchtlingskanals, der deutsche Leitkultur senden soll, geht jedoch am gesellschafts-politischen Auftrag von ARD & ZDF und an der gesellschaftlichen Wirklichkeit meilenweit vorbei.

22. Oktober 2015 von Christine Horz
Kategorien: Allgemein | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Statt des ewigen und unsäglichen Geschwafels von der vermeintlichen „deutschen Leitkultur“, halte ich es für längst überfällig und daher umso dringlicher, erst einmal die Millionen einheimischer BILD-Halbanalphabeten an das intellektuelle Niveau der „komplexen Nachrichtenlage“ heranzuführen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert