#SWR2: Feature zur Vielfalt im Journalismus

Das Thema Diversität im Journalismus spielt auch in den öffentlich-rechtlichen Medien eine immer größere Rolle – kein Wunder, denn Menschen mit Migrationsgeschichte und der (post-)migrantischen Generation finden sich in den Angeboten noch zu wenig wieder.

SWR2 Wissen gibt in seinem Feature der Radio- Journalistin Filiz Kükrekol einen gut informierten  und differenzierten Einblick in die aktuelle Debatte um mehr Vielfalt im Journalismus. Es geht um die Erfahrungen der Journalis:innen of colour, um die Ziele des SWR, bis zu 25% der Volontär:innen einzustellen, um die Realität der Gesellschaft auch in die Redaktionen zu tragen.

Gesprächspartner:innen sind u.a. Journalist:innen mit Migrationsgeschichte, Expert:innen (auch Publikumsratsvorsitzende Prof. Dr. Christine Horz-Ishak) und Medienverantwortliche befragt.

Das Audio kann heruntergeladen werden.

16. September 2021 von Christine Horz
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In eigener Sache: Podcast über journalistische Arbeit und Publikumsräte

Sabine Schiffer, Mitbegründerin der Initaitive für einen Publikumsrat hat dem Journalisten Peter Welchering („Aus dem journalistischen Maschinenraum“) ein erhellendes Interview zu den Hintergründen und dem Selbstverständnis des Journalismus gegeben.

Interessant wird es vor allem, als die journalistischen Ängste auf die medienwissenschaftliche Sicht trifft und das Thema der Publikumsräte intensiv im Interview zum Tragen kommt. Schiffer macht deutlich, dass an Media Governance, also der Beteiligung der Bürger an einer nachhaltigen Medienpolitik, mittelfristig nicht herumzukommen ist. Denn Politik, auch Medienpolitik, kann nicht tragfähig sein, wenn sie ohne die Bürger gemacht wird. Dies diene auch dem Journalismus, denn dieser werde mehr und mehr öknomomisiert und gerät dadurch weiter unter Druck. Eine gute journalistische Arbeit sei so immer schwerer zu leisten. Hier braucht auch der Journalismus Input der Bürger.

Natürlich ließe sich hier einwenden, dass längst nicht alle den Medien wohlgesonnen sind. Umso wichtiger wäre es, das Wissen über Medien und journalistisches Arbeiten durch Publikumsräte in die breite Bevölkerung zu tragen. So könnten die eklatanten Wissenslücken über die Funktionsweise des Journalismus zumindest ansatzweise geschlossen werden, die zumindest in Teilen der Bevölkerung die Ursache für eine Medienskepsis sind.

Sehr hörenswerter Podcast! Für Mediennutzende, wie auch für JournalistInnen und EntscheiderInnen in den Sendern ein spannender und verständlich formulierter Einblick in aktuelle medienpolitische Debatten – die uns alle angehen!

 

26. August 2021 von Christine Horz
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#ARD #ZDF: Neuer Auftrag in Sicht?

Die digitale Entwicklung, der Kostendruck sowie die Abwanderung der Jungen in das Internet sind Herausforderungen, welchen sich die öffentlich-rechtlichen Medien (ÖRM) stellen müssen.

Seit einiger Zeit beraten die Länder über eine Neuausrichtung des Auftrags der ÖRM.

Sicher sinnvoll, doch wie sieht nun der neue Auftrag aus? Bisher ist bekannt, dass künftig nur noch Das Erste, das ZDF, die Dritten, Arte und 3sat verpflichtend beauftragt werden sollen, den Funktionsauftrag sicher zu stellen. Unter dem Stichwort Flexibilisierung sollen einige Spartenkanäle ins Internet verlegt werden. Außerdem bauen ARD und ZDF eine gemeinsame Mediathek auf, um so Synergien zu nutzen. Dies ist sicher ein sinnvoller Schritt. Auch sollen sie transparenter werden, was die Verwendung der Gebühren betrifft. Alleine: das sind sie bereits.

Reicht das aus? Wie steht es um die inhaltliche Ausrichtung? Die Staatskanzlisten sprechen von „Sachlichkeit“. Noch ist nicht sicher, ob die ÖRM dann die wichtigen Polit- und Satiremagazine „schleifen“, um kommentierende Darstellungsformen zurückzudrängen. Gerade angesichts von Fake News, der Gängelung unabhängiger Medien in ost-europäischen Ländern sowie aus dem rechten politischen Lager ist deutlich geworden, wie unverzichtbar ARD, ZDF und Deutschlandradio für die Demokratie sind. Sie sollten ihre Rolle der Kontrolle des parlamentarischen und politischen Geschehens sogar noch ausbauen.

Aus unserer Sicht fehlt auch eine öffentliche und offene Debatte um den Public Value – also den gesellschaftlichen Mehrwert des neuen Auftrags. Nutzende sollten in die Reform stärker eingebunden werden. Auf diese Weise können auf der Senderseite neue Nutzergruppen und auf der Publikumsseite neue Identifikationspunkte mit den ÖRM erschlossen werden. Spannende Vorschläge hatten ExpertInnen vor einiger Zeit schon gemacht!

 

 

08. Juli 2021 von Christine Horz
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#WDR: #Die letzte Instanz – wird es nun eine Diversity-Strategie geben?

Nach der massiven Kritik an der Sendung „Die letzte Instanz“, in der über den Begriff Z-Sauce auf herablassende und rassistische Weise diskutiert wurde, hat sich der WDR in seiner „Aktuellen Stunde“ vom 1.2.2021 selbstkritisch mit den Vorwürfen auseinandergesetzt. Die WDR Unterhaltungschefin Karin Kuhn merkt darin im Interview an: „Wir lernen daraus, dass wir nicht divers genug sind. Wenn wir alle zu ähnlich sind, dann fällt uns nicht auf: wo ist unser blinder Fleck?“

Liebe Frau Kuhn, wir nehmen Sie beim Wort und hoffen, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt und der WDR dies nun endlich zum Anlass nimmt, eine nachhaltige Diversitätsstrategie auf den Weg zu bringen!

 

03. Februar 2021 von Christine Horz
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#WDR – Die letzte Instanz: Nichts dazu gelernt!

In welchem Land  – oder auf welchem Planeten lebt der WDR eigentlich? Die Talksendung „Die letzte Instanz“ vom 29.01.2021 hat zum Thema Rassismus nur weiße Talkgäste eingeladen – und die sprechen auch noch sehr unsensibel und teils abschätzig über Rassismus, wie das Jugendportal des Spiegel JETZT zusammenfasst.

Ist die Debatte der letzten Jahre zum Alltagsrassimus in Deutschland an den Machern der Sendung des WDR vorbeigegangen? Haben sie die aktuellen Debatten zur die #BlackLivesMatter Bewegung nicht mitbekommen? Spoiler: in Köln fanden im vergangenen Jahr mehrere Demonstrationen zu diesem Thema statt! Die Medien berichteten und die Online-Debatte auf Twitter reißt nicht ab.

Uns zeigt dieser erneute Fehltritt des WDR, dass es unbedingten Nachholbedarf in Sachen kultursensibler Berichterstattung nicht nur im WDR gibt – schließlich gilt der Sender sogar als Vorreiter, was die Repräsentation von Vielfalt betrifft. An diesem Beispiel wird abermals deutlich, wie dringend öffentlich-rechtliche Medien nachhaltige Diversitätskonzepte benötigen.

Die Sendeverantwortlichen – die übrigens selbst überwiegend weiß und standarddeutsch sind, wie eine Studie der Neuen Deutschen MedienmacherInnen unter meiner Mitarbeit offenlegt –  müssen jetzt endlich Diversität und Antirassismus als Unternehmensziel ausrufen und nicht nur mit vereinzelten Projekten, sondern mit konkreten und nachhaltigen Maßnahmen flankieren!

P.S.: Der Sender WDR sowie einzelne Teilnehmer:innen der Talkrunde haben sich mittlerweile entschuldigt. Sie sollten es jetzt als Anlass nehmen, die Fehler-Entschuldigungsspirale aufzubrechen und die Probleme wirklich da anzugehen wo sie entstehen – durch Selbstreflexion des unconscious bias und konkreten Diversity-Konzepten, die Fragen nach Rassismus nicht ausklammert.

 

 

01. Februar 2021 von Christine Horz
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Rundfunkbeitragserhöhung: Rechstaußen gestoppt

Seit Monaten schwelt der Streit um die Erhöhung des Rundfunkbeitrags  – angetrieben von der mitregierenden CDU in Sachsen-Anhalt. Anders als die anderen 15 Länderparlamente drohte diese unisono mit der AfD die Zustimmung zur Beitragserhöung um 86 Cent zu blockieren.

Was zunächst wie eine Heldentat erscheint, verliert bei näherer Betrachtung ihren Reiz: der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht vor großen Herausforderungen – allen voran die Digitalisierung und die Verhinderung des Generationsenabrisses (also das Abwandern jüngerer Nutzer u.a. zu Streaminganbietern und anderem Web content).  Um seiner verfassungsmäßigen Aufgabe auch weiterhin gerecht zu werden, muss der ÖRM auch in den Public Value – den Mehrwert für die Nutzenden  – investieren, um in einer konvergierenden Medienwelt weiterhin attraktive und verlässliche Angebote zu liefern.

Die KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs) geht meist eher konservativ an die Bedarfsanmeldungen der Sender heran. Dennoch plädiert die unabhängige Kommission in ihrem Bericht für die Erhöhung – auch wenn sicher mehr gesellschaftliche Debatte wichtig wäre, wie der Beitrag künftig sozial gerechter gestaltet werden könnte.

Die Entwicklungen in Sachsen-Anhalt machen ein weiteres Mal deutlich, welche Ziele die rechstgerichteten Parteien (im anhaltinischen Länderparlament) verfolgen, nämlich die Schwächung demokratischer, qualitätsgesicherter Medien. Deshalb ist die Entlassung des CDU-Innenministers Stahlknecht durch Ministerpräsident Haselhoff der richtige Schritt. Die AfD versucht durch ihre Beteiligung in den Länderparlamenten die Demokratie mit Hilfe der Demokratie zu schwächen. Auch wenn es einiges an den ÖRM zu kritisieren gibt – es sind grundgesetzlich institutionalisierte Medien, welcher ein Großteil der Bevölkerung vertraut. Die Corona-Krise hat gezeigt: die Mediennutzer*innen suchen hier die verlässliche Informationsvermittlung – trotz Kritik an den Sondersendungen.

Viel wichtiger als die ÖRM zu schwächen, wäre es deshalb, wenn die öffentlich-rechtlichen Medien eine breite gesellschaftliche anstoßen würden, was aus Sicht der Nutzenden der Public Value sein könnte.

Wie auch immer der Streit um die Beitragserhöhung ausgeht – Sachsen-Anhalt zeigt auf, auf was  rechtsgerichtete Parteien und Politiker*innen hinaus wollen: Schwächung qualitätvoller und weitgehend objektiv berichtender Medien zugunsten der Stärkung direkter Parteienkommunikation im Web, mit der die Gesellschaft weiter polarisiert werden kann. So ist die Aufgabe der Kontrolle im Sinne einer Vierten Gewalt öffentlich-rechtlicher Medien gleich mit ausgehebelt.

 

07. Dezember 2020 von Christine Horz
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Studie zu Diversität im Journalismus

Wie vielfältig ist eigentlich der Journalismus in Deutschland? Gelingt es JournalistInnen mit Migrationsgeschichte beruflich Fuß zu fassen? Was tun Chefredakteure für Diversity? Und was denken Sie eigentlich darüber? Diesen und weiteren Fragen gingen die Neuen Deutschen Medienmacher*innen e.V.  sowie die Autorin dieses Beitrags in einer gemeinsamen Studie nach.

20. Oktober 2020 von Christine Horz
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Öffentliche Stellungnahme im Sächsischen Landtag zum Rundfunkbeitrag

In einer öffentlichen Anhörung hat die Vorstandsvorsitzende C. Horz im September Stellung zur Erhöhung des Rundfunkbeitrags genommen. Die moderate Erhöhung von 86 Cent wird als akzeptabel gewertet, angesichts der großen Herausforderungen für die Sender. Allerdings wird dafür plädiert, dass die Politik eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Gemeinwohlorientierung im Netz und die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen anstößt. Gerade angesichts der Fehlentwicklungen in sogenannten Sozialen Medien wie Fake News und Hate Speech stellt sich die Frage wie sich öffentlich-rechtliche Medien im Internet entwickeln sollen, um weiterhin ihren Funktionsauftrag –  Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung der Allgemeinheit – auch im Digitalzeitalter zu erfüllen.

Stellungnahme Sächsicher Landtag Horz_fin

20. Oktober 2020 von Christine Horz
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#StrukturellerRassismus, Alltag und Medien

Der von einem Polizist in den USA ermordeten George Floyd hat weltweite Proteste gegen Rassismus ausgelöst – in Deutschland steht die längst überfällige Debatte über Rassismus erst am Anfang.

Ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland hat einen Migrationshintergrund, es gibt eine Afrodeutsche und PoC Community und geschätzt 40%, die sich der post-migrantischen Kultur zurechnen – alle eint, dass sie potenziell Opfer von offenem aber auch von sogeganntem strukturellen Rassismus werden können, wie Saraya Gomis in der SZ darlegt:

„Rassismus als Struktur ermöglicht, dass Ungleichheit legitimiert und damit „normalisiert“ wird. Wir sprechen da vor allem von historisch etablierten Machtverhältnissen…“

Diese zeigen sich in Form von Diskriminierungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, aber auch in Institutionen wie den Medien, weshalb auch von institutionellem Rassismus gesprochen wird.

Dieser kann sich derart auswirken, dass sich beispielsweise Menschen mit Migrationsgeschichte in Medieninhalten kaum wiederfinden und Journalist*innen mit ebensolchem Background kaum eingestellt werden. Dazu gehört auch, dass wir weiße Menschen Rassismen auch unbemerkt weiter tragen können, wenn wir uns nicht über unsere Privilegien bewußt werden und diese kritisch hinterfragen.

Darüber reden Ferda Atamen und ich heute Abend in der BR Sendung Puzzle – gerne reinschauen!

 

30. Juni 2020 von admin
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Wofür es #ARDZDF braucht

Immer wieder plädieren Bürger für die Abschaffung von ARD und ZDF.

Aber offenbar braucht es diese eben doch ganz dringend. Die aktuelle Krise belegt, dass Bürger die Informationsangebote der beiden öffentlich-rechtlichen Sender stark nachfragen. In Zeiten von Corona liefern Öffentlich-Rechtliche verlässliche Fakten.

„Das große Informationsbedürfnis der Bürger in der Corona-Krise schlägt sich in den Einschaltquoten für die Nachrichtensendungen nieder. 9,89 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 26,7 Prozent) schalteten am Sonntagabend um 20 Uhr die „Tagesschau“ in der ARD ein.

Die „heute“-Sendung um 19 Uhr im ZDF erreichte 5,88 Millionen Menschen (19,8 Prozent), das „heute-journal“ später 5,59 Millionen (17,9 Prozent). Bei „RTL aktuell“ um 18.45 Uhr informierten sich 4,54 Millionen (16,2 Prozent). Die ARD-„Tagesthemen“ kamen am späten Abend noch auf 4,92 Millionen Zuschauer (24,9 Prozent)“ (dpa, und AFP).

16. März 2020 von Christine Horz
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