Idee der Publikumsbeteiligung trägt Früchte

Der Vorschlag, die öffentlich-rechtlichen Medien stärker von den Bürgern mitgestalten zu lassen haben Christine Horz und Sabine Schiffer bereits 2014 in die Debatte eingebracht. Christine Horz von Publikumsrat e.V. führte in den vergangenen Jahren zahlreiche Gespräche mit Politiker*innen und Medienverantwortlichen, brachte die Idee erfolgreich in die gesellschaftliche Debatte ein, unter anderem als Mitverfasserin der 10 Thesen zur Zukunft der Öffentlichen-Rechtlichen.

Die Idee der Bürgerbeteiligung in einem wissenschaftlichen Projekt näher zu erforschen wurde dann vor zwei Jahren mit EPOS konkretisiert und zeigt nun erste Früchte. Volker Grassmuck als Teammitglied ist nun Fellow des CAIS.

Auch die Sendeanstalten signalisieren die Bereitschaft mit uns zusammenzuarbeiten. Es bleibt spannend!

 

12. April 2019 von Christine Horz
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Nach Christchurch: Wo bleibt die selbstkritische Mediendebatte?

Bei den Terrorattacken auf zwei Moscheen in Christchurch/Neuseeland durch einen rechstmotivierten Islamhasser starben 50 Menschen. Es war eine furchtbare Erfahrung, nicht nur für die neuseeländische vielfältige Gesellschaft. Anders als in Deutschland nehmen die NeuseeländerInnen jedoch die rassistische und islamfeindliche Tat als Anlass zum Innehalten und Überdenken der eigenen Haltungen. Die Medien in Neuseeland haben eine selbstkritische Debatte darüber angestoßen,  wie im Vorfeld über Minderheiten und Muslime berichtet wurde.

Hierzulande vermissen wir jedoch diese selbstkritische Mediendebatte. Die eigenen, überwiegend negativen Berichterstattungsmuster zu Muslimen und dem Islam in klassischen und „sozialen“ Medien, auf welche die kommunikationswissenschaftliche Forschung seit Jahrzehnten hinweist, müssten einer kritischen Revision unterzogen werden.

Das Dilemma der Wirkungsforschung ist dabei, dass keine Kausalität zwischen Medienberichterstattung und Radikalisierung in der Bevölkerung festgestellt werden kann, einfach weil es zuviele Variablen gibt. Eine Korrelation ist aber beobachtbar, Wirkungspotenziale können benannt werden. Wir wissen aus der Agenda Setting Theorie und der Framing-Forschung, dass Medien zumindest Themen und Deutungsrahmen dessen mitgestalten worüber wir sprechen und nachdenken.
Wenn also Menschen zu 50% den Islam als bedrohlich wahrnehmen (Religionsmonitor 2015), aber gleichzeitig so gut wie kein Kontakt zu Muslimen besteht drängt sich die Frage auf, welche Rolle Politik und Medien spielen, die zu großen Teilen die öffentlich Debatte mitbestimmen.  Wenn also die Medienbilder über Muslime zu großen Teilen negativ sind, kann man durchaus von Wirkungspotenzialen auf Einstellungsmuster sprechen. Die Medien haben also einen Anteil am gesellschaftlichen Islamhass.

Bevor eine ähnlich Tat auch hierzulande geschieht, sollten Politik und Medien selbstkritisch reflektieren, wie hoch ihr Anteil an der gesellschaftlichen Islamfeindlichkeit ist. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Medien müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und ihre Berichterstattungsmuster kritisch überdenken. Das friedliche Zusammenleben, die vielfältige Gesellschaft und ethische Leitlinien sollten im Programm deutlicher erfahrbar sein.

Aktualisierung: Mit ersten Ansätzen einer journalistischen Selbstkritik haben Julia Ley und Nadia Abdel Aziz heute in der taz begonnen.

25. März 2019 von Christine Horz
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Framing als Konzept und Werbestrategie

Seit vergangener Woche diskutiert die Republik heftig über das sogenannte Framing-Handbuch der ARD. Es dürfte sich mittlerweile schon herumgesprochen haben, dass…

  • die ARD vor ca. 2 Jahren die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling damit beauftragt haben, eine Konzept zur besseren Selbstdarstellung des Senderverbands zu verfassen
  • Wehling eine selbstständige Sprachwissenschaftlerin ist, die nicht in Berkeley lehrt und forscht, sondern deren Institut nur den Namen der ehrwürdigen Ivy-League Uni als Marke nutzt
  • Die ARD sowie Wehling selbst haben auf die Kritik reagiert, in dem sie zurückweist, dass es eine Art „Neusprech“ propagiere. Vielmehr handele es sich lediglich um Diskussionsgrundlage und keine Handreichung für die MitarbeiterInnen der ARD.
  • das Manual letztlich vor allem Wehlings Einkommen gesteigert hat.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Framing (Rahmung) sehr individuell wahrgenommen wird – was seine Wirkungspotenziale schmälert. Ähnlich wie Agenda Setting bestimmt es nicht, wie genau wir über einen Sachverhalt denken, sondern mit was wir uns überhaupt auseinandersetzen und welche sprachlichen und visuellen Konventionen verwendet werden. In der Kommunikationswissenschaft hat es, trotz aller Kritik,  durchaus seinen Platz. Zu den Pionieren zählt Robert Entman, der das „Deutungsrahmen“-Konzept für die Forschung erschlossen haben. Allerdings zielt die Foschungs nicht darauf, heruazufinden wie man die öffentliche Wahrnehmung eines Unternehmens verbessert. Vielmehr lassen sich diesem Konzept beispielsweise nicht nur simple Stereotype sondern ganze Deutungsmuster und Denkschemata erforschen, die z.B. die Medienberichterstattung über MigrantInnen oder Muslime prägen. Die Wirkungspotenziale können nur abgeschätzt werden. Da die Berichterstattung überwiegend negativ ist, können Wirkungen angenommen. Es ist also sinnvoll, dass sich JournalistInnen damit auseinandersetzen, da ihr Framing viel mit journalistischer Verantwortung zu tun hat – sie sollten in der Lage sein, ihre Denk- und Sprachmuster zu überdenken, so dass ZuschauerInnen und LeserInnen die politische Debatte einordnen können.

 

04. März 2019 von Christine Horz
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Öffentlich-rechtliches Internet: Gemeinwohlorientierung im digitalen Zeitalter

Viel wird derzeit darüber gesprochen, welche Medien eine Bürgergesellschaft im Digitalzeitalter will und braucht. Der Berliner „Tagesspiegel“ moderiert seit Mitte April 2018 eine Debatte zum Thema, an der nun auch die Vorsitzende des Publikumsrats, Dr. Christine Horz, teilgenommen hat. Im Kern stellt sie die Überlegungen eines Forschungsprojekt vor, an dem ein internationales Konsortium aus  KommunikationswissenschaftlerInnen beteiligt ist. Gefordert ist die Neuformulierung der Gemeinwohlorientierung öffentlich-rechtlicher Medien. Denn diese sollen auch im Digitalzeitalter ihren Funktionsauftrag erfüllen. Christine Horz schlägt demnach im Beitrag vor, dass die Sender künftig mit ähnlichen Institutionen wie Museen und Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten sollten. Auch Bürger wären stärker zu beteiligen  – ideologischem Missbrauch müsste mit einer bürgerzentrierten Medienbildung vorgebeugt werden. Und die Öffentlich-Rechtlichen sollten europäischer werden. Wie dies funktionieren kann, schildert Johannes Hilje in einem weiter Beitrag im Tagesspiegel.

Insgesamt ist es zu begrüßen, wenn Medien die öffentliche Debatte um die öffentlich-rechtlichen Medien selbst zum Thema machen. Denn das ist, was die Gesellschaft beschäftigen sollte – welche Medien wollen und brauchen wir – jenseits von Kommerzialisierung, Fake News und Hass!

 

 

12. Februar 2019 von Christine Horz
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#WDR: Medienprofessor prangert Missachtung des Arbeitnehmerschutzes an

Der Bonner Medienprofessor Hektor Haarkötter kritisiert die Arbeitsbedingungen im WDR in einem Beitrag des Portals meedia scharf. Freie JournalistInnen würden mehr arbeiten, hätten aber so gut wie keine Aufstiegs- und Mitspracherechte im Sender. Die Besetzung der „Freien“ würde zudem auf einem System der Willkür beruhen. Haarkötter bezieht sich auch auf den Bericht von Monika Wulf-Mathies, die die sexuellen Übergriffe im WDR untersucht hatte. Haarkötter, der früher selbst als Journalist im WDR gearbeitet hat, wundert sich darüber, dass Wulf-Mathies diese „ganovenhaften“ Arbeitsbedingungen nicht bemerkt. Haarkötter fordert den WDR auf, das System der Scheinselbstständigkeit der freien Mitarbeiter zu beenden. Zudem fordert er die KEF die Rundfunkbeitragshöhe für Öffentlich-Rechtliche nicht weiter zu verringern, da unter dem Finanzdruck gerade die Freien zu leiden hätten.

06. November 2018 von Christine Horz
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Dänemark schafft Hälfte aller öffentlich-rechtlichen Sender ab

In Dänemark kann man derzeit studieren, was passiert wenn die Rundfunkbeiträge gestrichen werden, wie auch hierzulande vielfach gefordert. Im Frühjahr dieses Jahres wurden die Beiträge abgeschafft. Stattdessen wurde auf ein steuerfinanziertes Modell umgestellt, das sich nach der Höhe der Einkommen richtet. Das klingt auf den ersten Blick sozialverträglicher als ein Beitragsmodell. Doch nun werden die Hälfte der öffentlich-rechtlichen TV-Sender geschlossen, von acht Radiostationen bleiben fünf übrig, hunderte JournalistInnen werden arbeitslos.

Die Handschrift der rechtsextremen Danske Folkeparti (Dänische Volkspartei), mit deren Duldung das liberalkonservative Regierungsbündnis besteht, ist deutlich erkennbar. So sollen sage und schreibe 48% der Musik im Radio dänischen Ursprungs sein. Mit den neuen Programmrichtlinien, die mit der DF ausgehandelt wurden, soll das Programm auch „christlicher“ werden. Bis is zu 400 Stellen werden nun gestrichen, so dass fraglich ist wie qualitativ hochwertige Berichterstattung aufrecht erhalten werden kann.

Dänemark zeigt: eine Steuerfinanzierung hölt die öffentlich-rechtliche und gemeinwohlorientierte Idee aus und trägt dazu bei, die Sender zu ruinieren und das freie Wort abzuschaffen.

25. September 2018 von Christine Horz
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#Zapp: #MeTwo-Debatte: Vielfalt im Journalismus selten – Rassismus verbreitet

Das NDR-Medienmagazin ZAPP widmet sich einem wichtigen Thema – endlich, möchte man sagen. Denn Rassismus ist leider ein weit verbreitetes Problem in der Mitte der Gesellschaft. Laut „Mitte-Studien“ haben etwa 20-25% der Bevölkerung ein verfestigtes rechtsextremes Weltbild. Wenig wurde bislang über die Opfer von Alltagsrassismus gesprochen. Nun bündelt der Twitter Hastag #MeTwo Erfahrungen der Betroffenen.

ZAPP sendet anlässlich der Debatte eine Reihe von Beiträgen und Interviews zum Thema – und tatsächlich recht selbstreflektiert, denn auch in der ZAPP-Redaktion mangelt es an vielfältigen Perspektiven. Damit steht sie nicht alleine da, denn durchschnittlich arbeiten in Deutschland 3-5% Journalist*innen mit einer Migrationsgeschichte – obwohl 21% der Bevölkerung eine solche zugeschrieben wird. Der Mittelschicht-Habitus der professionellen Bildungselite, der auch die meisten Journalist*Innen angehören, wurde bisher noch zu wenig bedacht. Er führt dazu, dass in Nachrichtenredaktionen mit den immer gleichen Perspektiven auf Themen wie Migration oder Regionen wie den Nahen Osten geschaut wird.

Seit Jahrzehnten weisen Medien- und Kommunikationswissenschaftler auf diese Defizite hin – es wäre gut, wenn nun endlich eine ehrliche und selbstkritische Debatte angestoßen wäre. Das Thema Hate-Speech, institutioneller und Alltagsrassismus gegenüber Journalist*innen gehört zu dieser Debatte.

10. August 2018 von Christine Horz
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#ARD und #ZDF: Programmprioritäten und -kosten

Laut 21. KEF Bericht 2018 sanken die Erstsendungen in der Prime-Time (19:00-23.00 Uhr) bei der ARD und ZDF in den vergangenen Jahren. Die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs“, KEF, für ARD und ZDF ist eine unabhängige Kommission, die in regelmäßigen Abständen den Mittelbedarf der Sender und die Höhe der Rundfunkbeiträge prüft.

Zwischen 2007 und 2018 verringerten sich die Erstsendungen im Ersten (ARD) von 87,6% auf 83, 4%. Beim ZDF von 85,6% auf 84,7%.

„Das Erste Programm zeigt hinsichtlich der Erstsendeminuten eine deutliche Vorrangstellung für das Ressort „Politik und Gesellschaft“.“  Mit deutlichem Abstand folgen die Ressorts „Familie“, „Sport“, „Unterhaltung“ und „Spielfilm“ (s. Abb. 4)…. Der finanziell bedeutendste Programmbereich ist im Ersten Programm „Sport“ mit 443,8 Mio. €. … Die höchsten Selbstkosten pro Erstsendeminute verzeichnet beim Ersten Programm das Ressort „Fernsehspiel“, gefolgt von „Spielfilm“, „Sport“, „Musik“, „Unterhaltung“ und „Kultur und Wissenschaft“.“, so der KEF-Bericht (S. 52).

Was bedeutet das? Zunächst kann festgestellt werden, dass die Verringerung der Erstsendungen wohl mit der Erhöhung der Wiederholungen einhergeht, denn gesendet wird im Vollprogramm also durchgängig. Die Tendenz zu weniger Erstsendungen hat sich bei der ARD deutlicher gezeigt als beim ZDF, das allerdings auf einem grundsätzlich niedrigeren Niveau rangiert. Zweitens ist der Anteil an Erstsendungen dennoch recht hoch. Drittens überraschen die Programmprioritäten „Politik und Gesellschaft“. Diese sind diese recht teuer zu produzieren (300 Mio € pro Sendeminute) und die Anzahl der Erstsendeminuten ist mit 120.000 mit die höchste. Die ARD investiert die Rundfunkbeiträge deutlich in Politik und Gesellschaft, auch Sport. Unerwartet dürften die großen Investitionskosten in qualitätvolle Filme wie in der Reihe Fernsehspiel sein. Hier liegt die Zahl der Erstendeminuten bei 10-30.000 bei etwa gleichen Kosten (Stand 2016).

Ähnlich das ZDF. Auch hier genießt der  Programmbereich „Politik“ die höchste Priorität. Der finanziell bedeutendste Programmbereich ist auch hier „Sport“ (385,8 Mio), gefolgt von “ „Fernsehfilm/Serie I (Krimis u.a.) und II (Melodramen u.a.)“. Es folgen „Politik“ und „Aktuelles“. Die höchsten Selbstkosten pro Erstsendeminute wendet das ZDF für das Ressort „Fernsehfilm/Serie II“ auf, gefolgt von „Fernsehfilm/Serie I“ und „Sport“.“

Fazit: Aus dem KEF-Bericht geht hervor, das Wiederholungen leicht zunehmen, und dass in Sport aber auch in Spielfilme und Politik und Gesellschaft viel investiert wird, wobei letzere aus Selbstkosten, u.a. Rundfunkbeiträgen, finanziert werden.

02. August 2018 von Christine Horz
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Rundfunkbeitrag: Entlastung für Zweitwohnungsnutzer

Das Bundesverfassungsgericht hat den Klägern teilweise Recht gegeben. Nutzer einer Zweitwohnung müssen nur noch einmal zahlen. Damit werden viele Berufspendler entlastet, die  in einem Ort wohnen und im zweiten eine weitere Wohnung aus beruflichen Zwecken unterhalten müssen.

Über eine solidarische Entlastung für Haushalte mit geringem Einkommen, etwa in Form prozentualer Beiträge oder der Möglichkeit, sich befreien zu lassen, hat das Gericht hingegen nicht entschieden.

Es begründet seine Entscheidung, dass der Beitrag, wie alle Beiträge, dafür gezahlt wird, dass ein Nutzer die öffentlich-rechtlichen Medien nutzen kann. Damit handelt es sich um einen Solidarbeitrag und nicht um eine Steuer, wie einige Kläger behaupteten – ähnlich der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch hier zahlen Gesunde grundsätzlich solidarisch für Kranke mit. Gesunden stehen die Dienstleistungen ebenfalls im Krankheitsfalle zur Verfügung. Sie müssen sie also nicht, sondern können sie im Bedarfsfall nutzen. Diese Vorstellung geht aus dem Funktionsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen hervor, denn sie sollen ja die Grundversorgung der Bevölkerung mit Information, Kultur, Unterhaltung und Bildung sicherstellen.

Letzte Umfragen der Gesellschaft für Kosnumforschung von 2018 bestätigen, dass beispielsweise der ARD-Medienverbund über alle Ausspielwege 94% der Bevölkerung in Deutschland erreicht. Laut statistischem Jahrbuch 2016 (S. 172) verfügen 97% der Haushalte über ein Fernsehgerät. Die vielbeschworene Formel „Ich nutze das gar nicht“ scheint also so nicht zu stimmen.

Obwohl die Öffentlich-Rechtlichen für Medienpluralismus stehen und offenbar fast flächendeckend genutzt werden, wäre es doch sinnvoll einen Beitrag zu haben, der sich stärker an den Einkommen orientiert. Es wäre solidarischer.

19. Juli 2018 von Christine Horz
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Direktorin des Grimme-Instituts stellt Prozess der Medienregulierung in Frage

Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, fordert in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel, dass das Publikum an Medienpolitik und -regulierung beteiligt sein sollte. Sie hinterfragt zuvor kritisch, warum nur einflussreiche Akteure wie Politiker*innen und Vertreter*innen öffentlich-rechtlicher und kommerzieller Medien über die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen und der Medienlandschaft insgesamt bestimmen können. Gespräche und Anhörungen fänden weit vor den politischen Abstimmungsprozessen statt und böten Möglichkeiten der breiteren Debatte und Beteiligung.

„Der gegenwärtig so notwendige gesellschaftliche Diskurs über den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Digitalen, seine gesellschaftliche Funktion im demokratischen Meinungsbildungsprozess, wird öffentlich kaum geführt. Vielmehr reduziert sich die öffentliche Debatte sehr verkürzt auf die Frage der Höhe des Rundfunkbeitrages.“ […] Damit sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit einer starken Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger im digitalen Zeitalter entwickeln kann, bedarf es einer inhaltlichen Debatte, bei der es um die gesellschaftliche Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehen muss. Diese ist längst überfällig.

[…] Dies bedeutet, dass nicht nur privilegierte Akteure an den Willensbildungsprozessen beteiligt werden. Auch reichen Expertenkommissionen nicht aus. Sie können bestenfalls den Weg bereiten, indem sie beispielsweise Konsultationsvorschläge erarbeiten.“

23. Juni 2018 von Christine Horz
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