#StrukturellerRassismus, Alltag und Medien

Der von einem Polizist in den USA ermordeten George Floyd hat weltweite Proteste gegen Rassismus ausgelöst – in Deutschland steht die längst überfällige Debatte über Rassismus erst am Anfang.

Ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland hat einen Migrationshintergrund, es gibt eine Afrodeutsche und PoC Community und geschätzt 40%, die sich der post-migrantischen Kultur zurechnen – alle eint, dass sie potenziell Opfer von offenem aber auch von sogeganntem strukturellen Rassismus werden können, wie Saraya Gomis in der SZ darlegt:

„Rassismus als Struktur ermöglicht, dass Ungleichheit legitimiert und damit „normalisiert“ wird. Wir sprechen da vor allem von historisch etablierten Machtverhältnissen…“

Diese zeigen sich in Form von Diskriminierungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, aber auch in Institutionen wie den Medien, weshalb auch von institutionellem Rassismus gesprochen wird.

Dieser kann sich derart auswirken, dass sich beispielsweise Menschen mit Migrationsgeschichte in Medieninhalten kaum wiederfinden und Journalist*innen mit ebensolchem Background kaum eingestellt werden. Dazu gehört auch, dass wir weiße Menschen Rassismen auch unbemerkt weiter tragen können, wenn wir uns nicht über unsere Privilegien bewußt werden und diese kritisch hinterfragen.

Darüber reden Ferda Atamen und ich heute Abend in der BR Sendung Puzzle – gerne reinschauen!

 

30. Juni 2020 von admin
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Wofür es #ARDZDF braucht

Immer wieder plädieren Bürger für die Abschaffung von ARD und ZDF.

Aber offenbar braucht es diese eben doch ganz dringend. Die aktuelle Krise belegt, dass Bürger die Informationsangebote der beiden öffentlich-rechtlichen Sender stark nachfragen. In Zeiten von Corona liefern Öffentlich-Rechtliche verlässliche Fakten.

„Das große Informationsbedürfnis der Bürger in der Corona-Krise schlägt sich in den Einschaltquoten für die Nachrichtensendungen nieder. 9,89 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 26,7 Prozent) schalteten am Sonntagabend um 20 Uhr die „Tagesschau“ in der ARD ein.

Die „heute“-Sendung um 19 Uhr im ZDF erreichte 5,88 Millionen Menschen (19,8 Prozent), das „heute-journal“ später 5,59 Millionen (17,9 Prozent). Bei „RTL aktuell“ um 18.45 Uhr informierten sich 4,54 Millionen (16,2 Prozent). Die ARD-„Tagesthemen“ kamen am späten Abend noch auf 4,92 Millionen Zuschauer (24,9 Prozent)“ (dpa, und AFP).

16. März 2020 von Christine Horz
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#Hanau: ethische Medienberichterstattung angemahnt

Die Berichterstattung über die rassistischen Morde von Hanau wirft Fragen nach der angemessenen, ethisch abgesicherten, Bebilderung auf. Nicht nur Boulevardmedien sollten sich selbstkritisch hinterfragen.

Der Pressecodex stellt die ethische Leitlinie für Journalis*innen in Deutschland dar und kann insofern Orientierung bieten. Allerdings wurde jedoch der Passus zur diskriminierungsfreien Berichterstattung nach den Ereignissen der Kölner Silvesternacht aufgeweicht.

Entsprechend schlägt unser Vorstandsmitglied Sabine Schiffer vor, die Richtlinien auch mit Blick auf die Bebilderung wieder zu schärfen und die Bildauswahl wieder stärker an der Relevanz  und nicht dem vermeintlichen öffentlichen Interesse auszurichten. Nur so können Stereotypisierungen zuvor konstruierter sozialer Gruppen vermieden werden.  20200225_IMV-PM_Hanau-Pressekodex

26. Februar 2020 von Christine Horz
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#Hanau, #HanauShooting: Rechtsterror, die Mitte und die Medien

Das rechtsmotivierte Morden in Hanau wirft Fragen nach dem Zusammenhang zwischen entkoppelter Mitte und den Medien im Prozess der Radikalisierung des Täters auf. Nach dem wenigen, was man zur Stunde weiß, hat der Täter laut FAZ im Internet dazu aufgerufen, den „Mainstream-Medien“ zu misstrauen und sich im Netz „Informationen!“ zu beschaffen. Offenbar hat sich der Täter auf Verschwörungsseiten radikalisiert, die wahnhafte Vorstellungen darüber verbreiten, dass Amerikaner geheime Labore betreiben, darin Kinder foltern, uns mit „Camtrails“ vergiften oder dass Angela Merkel eine außerirdische Echse ist, die den „großen Austausch“ plant (gemeint ist der Bevölkerungsautausch durch Immigration).

Spätestens mit der Fluchtmigration 2015 kann das Erstarken einer entkoppelten (auch akademisch ausgebildeten), in Teilen rechstextremen Mittelschicht beobachtet werden, die sich in Hanau in einem rassitisch motivierten Massenmord entladen hat. Der Täter von Hanau war Bankkaufmann und hatte BWL studiert (kann man den Angaben auf seinen Internetprofilen glauben, die die FAZ zitiert und nun offline sind).

Auf diese Schicht sowie die entsprechenden Medien sollten Politik und Dienste ein Auge werfen. Schon wieder wird die Einzeltätertheorie bemüht, während sich gut situierte Teile der Mittelschicht weiter im Internet „informieren“, vernetzen und bewaffnen.

Für Qualitätsmedien bieten sich hier Recherchemöglichkeiten an, um umfassend über Hintergründe aufzuklären. Dringend erforderlich ist eine struktuerierte Medienbildung, die im Kindergarten beginnt und bis zur Oberstufen durchläuft und von den etablierten Presse- und Rundfunkmedien mitgestaltet wird. Denn die Verschwörungsseiten nutzen die Leerstelle –  nicht nur um Geld zu machen, sondern auch um jene Menschen zu ideologisieren, die über die Bedeutung und Arbeitsweisen der Medien offenbar zu wenig wissen.

 

20. Februar 2020 von Christine Horz
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AfD kopiert Idee der Publikumsratsinitiative – wir distanzieren uns!

Die medienkritische Plattform Übermedien thematisiert in einem Beitrag wie Oppositionsparteien im Bundestag in den Gremien der Öffentlich-Rechtlichen repräsentiert sind. Dafür wurden die medienpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen befragt. Grüne und Linke äußern sich kritisch darüber, dass nur noch die Regierungsparteien nach dem Umbau der Gremien 2015 repräsentiert sind, die Opposition hingegen kaum Gehör findet. Sie sind es auch, die die demokratische Debatte mit der AfD, der größten Oppositonspartei im Bundestag, nicht scheuen und deshalb keine Einwände hätten, diese auch in den Gremien zu sehen. CDU und SPD halten die Gremien für ausreichend demokratisch besetzt.

Der AfD-Sprecher gibt im Interview zu Protokoll, dass die Rundfunkräte gewählt werden sollten und kopiert damit unsere Idee.

An dieser Stelle distanzieren wir uns klar und deutlich davon, denn die Motive der AfD sind gänzlich andere als die unsrigen. Die AfD will die Öffentlich-Rechtlichen abschaffen aber mindestens für ihre Ziele instrumentalisieren.

Unser Ziel der stärkeren Bürgerbeteiligung, ist es einen starken und demokratischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schaffen, der in einer digitalen Medienwelt für Pluralismus und Gemeinwohlorientierung eintritt.

 

 

 

01. Februar 2020 von Christine Horz
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ARD und ZDF müssen vielfältiger werden – sonst gehen sie unter

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sollen qua Auftrag die Gesellschaft in ihrer Vielfalt abbilden. Stattdessen richten sie sich, zumindest in den Hauptptogrammen, an weiße, männliche Zuschauer Ü60. Doch was, wenn Frauen mehr zu Wort kämen – sie machen 51 % der Bevölkerung aus – was wenn Migrant*innen häufiger Programm machen würden – in Deutschland leben 25% Menschen mit Migrationshintergrund? Oder Lesben und Schwule? Oder gar junge Menschen zwischen 15 und 30, immerhin 22% der Bevölkerung? Diese sehr berechtigten Fragen stellt Julia Heinz in ihrem Beitrag.

Die Institutionen in Deutschland, und dazu gehören auch die ÖRM, müssen wesentlich agiler, offener und mutiger werden, was die Programmgestaltung angeht, um die Dynamik in der Gesellschaft zumindest ansatzweise widerzuspiegeln. Auch wenn FUNK, der Jugendchannel von ARD und ZDF, ein Erfolg ist – diese Vielfalt sollte nicht nur in den Sparten, sondern auch im Hauptptogramm sichtbar werden, denn sie ist Teil unserer Kultur.

03. Dezember 2019 von Christine Horz
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In eigener Sache: Wir sind nicht gesponsert – von niemandem!

Immer wieder werde ich gefragt, ob die Initiative zur Etablierung von Publikumsräten e.V., kurz Publikumsrat, Geld bekommt. Wahlweise von den öffentlich-rechtlichen Medien (ÖRM) selbst, der Politik oder anderen Interessengruppen.

Hier mal zum mitschreiben: nein, wir bekommen keinen Cent – obwohl wir als Verein Spenden annehmen dürfen und Mitgliedsbeiträge erheben könnten. Unser Engagement ist freiwillig, unabhängig und vor allem ehrenamtlich. Weil wir denken, dass es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk jetzt und in Zukunft immer dringender braucht, um eine demokratische gesellschaftliche Debatte zu sichern – auch  als Gegengewicht gegen Fake News und Hass im Netz. Natürlich kritisieren wir ihn und mahnen dringende Reformen an. Das werden wir auch weiterhin tun, damit die ÖRM künftig vielfältiger, offener und bürgernäher werden.

03. Dezember 2019 von Christine Horz
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Nazis bedrohen Journalisten

Ein NDR Journalist wird öffentlich bedroht und Nazis veranstalten eine Demo in Hannover gegen ihn persönlich. Dagegen protestierten am Samstag, 23.11. etwa  8000 Gegendemonstranten. Sie übertönten, damit den Hass und setzten ein deutliches Signal für eine offene Gesellschaft und die JournalistInnen, die jeden Tag gute Arbeit leisten.

 

 

24. November 2019 von Christine Horz
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Habeck fordert öffentlich-rechtliches Internet

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck fordert im Interview mit „Die Welt“ eine öffentlich-rechtliche Alternative zu den kommerziellen Plattformen.

Google, Facebook und Co. gelten als Datenkraken, die Nutzungsdaten zu Werbezwecken ausbeuten. Nicht-kommerzielle und am Gemeinwohl orientierte Anbieter wie die Öffentlich-Rechtlichen sind momentan gezwungen auf den kommerziellen Plattformen präsent zu sein, wollen sie ihr Publikum erreichen – und das müssen sie laut verfassungsmäßigem Auftrag. Was Habeck nicht sagt: auch die digitalen Infrastrukturen der öffentlich-rechtlichen Sender laufen auf der Technik dieser kommerziellen Anbieter. So kommen die kommerziellen Plattformen über die Hintertür an die Nutzungsdaten der Mediatheken-Nutzer.

Das alles spricht dafür eine Alternative zu den kommerziellen Plattformen, nämlich „die Schaffung einer neutralen öffentlich-rechtlichen Plattform, die für Kommunikation und soziale Netzwerke aller Art zur Verfügung steht, also auch für Alternativen zu Facebook und Co“ – eine Idee, die unter dem Stichwort European Public Open Space (EPOS) von mehreren Initiativen schon seit einiger Zeit untersucht wird.

16. November 2019 von Christine Horz
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Goldene Kartoffel geht an ARD/ZDF Talkshows

Die Neuen Deutschen Medienmacher (NdM), ein bundesweiter unabhängiger Zusammenschluss von Journalist*innen mit und ohne Migrationsgeschichte, haben heute ihren Preis für rassifizierte Berichterstattung vergeben.

And the winner is….vier politische Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF gleichzeitig. Zu den „Gewinnern“ gehören:

  • hart aber fair (Frank Plasberg, ARD)
  • maischberger (Sandra Maischberger, ARD)
  • Anne Will (Anne Will, ARD)
  • maybrit illner (Maybrit Illner, ZDF)

In ihrer Begründung schreiben die NdM in einer PM:

„Laut Programmauftrag sollen die Sender des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks informieren, bilden und unterhalten – die politischen Talksendungen haben also einen Bildungsauftrag. In der Umsetzung merkt man davon leider wenig:

  • Die Ankündigungen sind oft reißerisch und mit plumpen Fragen versehen, bspw. „Heimat Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle?“, „Bürger verunsichert – Wie umgehen mit kriminellen Zuwanderern?“, „Angst vor dem Islam: Alles nur Populismus?“, „Gekommen, um zu bleiben. Neue Zuwanderer, alte Probleme?“
  • Die Inhalte fördern oft Klischees, statt sie abzubauen. Die Sendungen zu den Themen rund um Migration, Geflüchtete und Islam zeichnen sich durch Vorurteile und Panikmache aus. Fast immer geht es um Extremismus, Kriminalität und andere Bedrohungen durch Migrant*innen und ihre Nachkommen.
  • Die Gästeauswahl ist häufig diskriminierend, der Diverstitätsmangel in vielen Sendungen bestechend. Besonders auffällig ist die ständige Abwesenheit von Schwarzen Menschen und People of Color, die sich – wenn überhaupt – oft nur in Sendungen zu Migrationsthemen wiederfinden, als würden Themen wie Rente, Pflege, Klima usw. einen erheblichen Teil der Gesellschaft nicht betreffen. Ein Viertel der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund – das sollte sich überall widerspiegeln.

Kurz: Den politischen Talkshows gelingt es nicht, tiefergehend zu informieren, vielfältige Perspektiven einzubinden und Ressentiments abzubauen. Stattdessen wird hier Rassismus behandelt wie jeder andere Standpunkt auch.“

Politische Talkshows über Flucht sind Teil des Problems „Rassismus“ in Deutschland. Nicht, dass Probleme mit der Zuwanderung verschwiegen werden sollen – Nein! – es geht vielmehr, darum, dass die Talkshows den Eindruck erwecken, als sei beispielsweise Kriminalität ein Privileg der Geflüchteten. Diese Form des Framings ist ganz sicher kein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, den die ÖRM auch in der Migrationsgesellschaft zu leisten haben.

29. Oktober 2019 von Christine Horz
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