ARD und ZDF müssen vielfältiger werden – sonst gehen sie unter

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sollen qua Auftrag die Gesellschaft in ihrer Vielfalt abbilden. Stattdessen richten sie sich, zumindest in den Hauptptogrammen, an weiße, männliche Zuschauer Ü60. Doch was, wenn Frauen mehr zu Wort kämen – sie machen 51 % der Bevölkerung aus – was wenn Migrant*innen häufiger Programm machen würden – in Deutschland leben 25% Menschen mit Migrationshintergrund? Oder Lesben und Schwule? Oder gar junge Menschen zwischen 15 und 30, immerhin 22% der Bevölkerung? Diese sehr berechtigten Fragen stellt Julia Heinz in ihrem Beitrag.

Die Institutionen in Deutschland, und dazu gehören auch die ÖRM, müssen wesentlich agiler, offener und mutiger werden, was die Programmgestaltung angeht, um die Dynamik in der Gesellschaft zumindest ansatzweise widerzuspiegeln. Auch wenn FUNK, der Jugendchannel von ARD und ZDF, ein Erfolg ist – diese Vielfalt sollte nicht nur in den Sparten, sondern auch im Hauptptogramm sichtbar werden, denn sie ist Teil unserer Kultur.

03. Dezember 2019 von Christine Horz
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In eigener Sache: Wir sind nicht gesponsert – von niemandem!

Immer wieder werde ich gefragt, ob die Initiative zur Etablierung von Publikumsräten e.V., kurz Publikumsrat, Geld bekommt. Wahlweise von den öffentlich-rechtlichen Medien (ÖRM) selbst, der Politik oder anderen Interessengruppen.

Hier mal zum mitschreiben: nein, wir bekommen keinen Cent – obwohl wir als Verein Spenden annehmen dürfen und Mitgliedsbeiträge erheben könnten. Unser Engagement ist freiwillig, unabhängig und vor allem ehrenamtlich. Weil wir denken, dass es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk jetzt und in Zukunft immer dringender braucht, um eine demokratische gesellschaftliche Debatte zu sichern – auch  als Gegengewicht gegen Fake News und Hass im Netz. Natürlich kritisieren wir ihn und mahnen dringende Reformen an. Das werden wir auch weiterhin tun, damit die ÖRM künftig vielfältiger, offener und bürgernäher werden.

03. Dezember 2019 von Christine Horz
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Nazis bedrohen Journalisten

Ein NDR Journalist wird öffentlich bedroht und Nazis veranstalten eine Demo in Hannover gegen ihn persönlich. Dagegen protestierten am Samstag, 23.11. etwa  8000 Gegendemonstranten. Sie übertönten, damit den Hass und setzten ein deutliches Signal für eine offene Gesellschaft und die JournalistInnen, die jeden Tag gute Arbeit leisten.

 

 

24. November 2019 von Christine Horz
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Habeck fordert öffentlich-rechtliches Internet

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck fordert im Interview mit „Die Welt“ eine öffentlich-rechtliche Alternative zu den kommerziellen Plattformen.

Google, Facebook und Co. gelten als Datenkraken, die Nutzungsdaten zu Werbezwecken ausbeuten. Nicht-kommerzielle und am Gemeinwohl orientierte Anbieter wie die Öffentlich-Rechtlichen sind momentan gezwungen auf den kommerziellen Plattformen präsent zu sein, wollen sie ihr Publikum erreichen – und das müssen sie laut verfassungsmäßigem Auftrag. Was Habeck nicht sagt: auch die digitalen Infrastrukturen der öffentlich-rechtlichen Sender laufen auf der Technik dieser kommerziellen Anbieter. So kommen die kommerziellen Plattformen über die Hintertür an die Nutzungsdaten der Mediatheken-Nutzer.

Das alles spricht dafür eine Alternative zu den kommerziellen Plattformen, nämlich „die Schaffung einer neutralen öffentlich-rechtlichen Plattform, die für Kommunikation und soziale Netzwerke aller Art zur Verfügung steht, also auch für Alternativen zu Facebook und Co“ – eine Idee, die unter dem Stichwort European Public Open Space (EPOS) von mehreren Initiativen schon seit einiger Zeit untersucht wird.

16. November 2019 von Christine Horz
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Goldene Kartoffel geht an ARD/ZDF Talkshows

Die Neuen Deutschen Medienmacher (NdM), ein bundesweiter unabhängiger Zusammenschluss von Journalist*innen mit und ohne Migrationsgeschichte, haben heute ihren Preis für rassifizierte Berichterstattung vergeben.

And the winner is….vier politische Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF gleichzeitig. Zu den „Gewinnern“ gehören:

  • hart aber fair (Frank Plasberg, ARD)
  • maischberger (Sandra Maischberger, ARD)
  • Anne Will (Anne Will, ARD)
  • maybrit illner (Maybrit Illner, ZDF)

In ihrer Begründung schreiben die NdM in einer PM:

„Laut Programmauftrag sollen die Sender des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks informieren, bilden und unterhalten – die politischen Talksendungen haben also einen Bildungsauftrag. In der Umsetzung merkt man davon leider wenig:

  • Die Ankündigungen sind oft reißerisch und mit plumpen Fragen versehen, bspw. „Heimat Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle?“, „Bürger verunsichert – Wie umgehen mit kriminellen Zuwanderern?“, „Angst vor dem Islam: Alles nur Populismus?“, „Gekommen, um zu bleiben. Neue Zuwanderer, alte Probleme?“
  • Die Inhalte fördern oft Klischees, statt sie abzubauen. Die Sendungen zu den Themen rund um Migration, Geflüchtete und Islam zeichnen sich durch Vorurteile und Panikmache aus. Fast immer geht es um Extremismus, Kriminalität und andere Bedrohungen durch Migrant*innen und ihre Nachkommen.
  • Die Gästeauswahl ist häufig diskriminierend, der Diverstitätsmangel in vielen Sendungen bestechend. Besonders auffällig ist die ständige Abwesenheit von Schwarzen Menschen und People of Color, die sich – wenn überhaupt – oft nur in Sendungen zu Migrationsthemen wiederfinden, als würden Themen wie Rente, Pflege, Klima usw. einen erheblichen Teil der Gesellschaft nicht betreffen. Ein Viertel der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund – das sollte sich überall widerspiegeln.

Kurz: Den politischen Talkshows gelingt es nicht, tiefergehend zu informieren, vielfältige Perspektiven einzubinden und Ressentiments abzubauen. Stattdessen wird hier Rassismus behandelt wie jeder andere Standpunkt auch.“

Politische Talkshows über Flucht sind Teil des Problems „Rassismus“ in Deutschland. Nicht, dass Probleme mit der Zuwanderung verschwiegen werden sollen – Nein! – es geht vielmehr, darum, dass die Talkshows den Eindruck erwecken, als sei beispielsweise Kriminalität ein Privileg der Geflüchteten. Diese Form des Framings ist ganz sicher kein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, den die ÖRM auch in der Migrationsgesellschaft zu leisten haben.

29. Oktober 2019 von Christine Horz
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Warum gibt es so viele öffentlich-rechtlichen Sender?

Das haben sich sicher schon viele gefragt – wozu brauchen wir eigentlich über 20 öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland? Wäre einer nicht genug? Nein – sagt das Bundesverfassungsgericht.

Gut erklärt ist es in dieser Antwort des ZDF auf eine Nutzeranfrage.

 

22. Oktober 2019 von Christine Horz
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#tagestehmen: Weshalb die Nennung der Herkunft falsch ist!

Die Tagesthemen (ARD) berichtete am 29. Juli über einen Vorfall in einem Freibad, bei dem angeblich 50-60 nordafrikanische Jugendliche eine Rutsche blockiert und randaliert hätten, woraufhin das Freibad hätte gräumt werden müssen. Zm dritten Mal in diesem Jahr. Das Politmagazin Monitor recherchierte offenbar etwas gründlicher als die Nachrichtensendung und fand heraus, dass der Vorfall so nicht stattgefunden hat. Von dieser „Sommerlochgeschichte“ der randalierenden arabischen jungen Männer blieb dann kaum noch etwas übrig.

Der Tagesspiegel schreibt: „Bei näherem Betrachten bleibt allerdings von den angeblichen Tumulten im Freibad nicht mehr viel übrig: Nach „Monitor”-Recherchen gibt es laut Polizeiinformationen zwei Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Bedrohung – und das gegen zwei Deutsche.“

Der Bürgermeister, der die Überwachungsvideos zusammen mit der Polizei gesichtet hatte, spricht im Monitor-Bericht von „einem ziemlich deutsch-nationalen Süppchen“ das hier gekocht worden wäre.

Fazit: Diese Geschichte passt jenen gut ins Bild, die schon immer gegen Einwanderung waren. Dass etablierte Medien wie die Tagesthemen immer häufiger auf diesen Zug aufspringen macht einmal mehr deutlich, dass die mittlerweile übliche Nennung der Herkunft von Tatverdächtigen in der Berichterstattung offenbar dazu verleitet, sehr schnell zu Vorverurteilungen überzugehen und Berichten eine entsprechende „Rahmung“ zu verpassen. Deshalb sind wir dagegen.

 

Nennung der Täterherkunft im Mordfall am Frankfurter Hauptbahnhof

15. August 2019 von Christine Horz
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Nennung der Täterherkunft im Mordfall am Frankfurter Hauptbahnhof

Der Mord eines kleinen Jungen durch einen offenbar psychisch kranken Mann am Frankfurter Hauptbahnhof hat die Republik verstört.

In der Berichterstattung darüber in ARD, ZDF und anderen Medien wurde die Herkunft des Täters genannt. Die tagesschau vermeldete beispielsweise dazu, dass der Täter in seinem Schweizer Wohnort als „gut integriert“ galt (00.37).

Die Nennung der Herkunft von Tatverdächtigen wurde nach der Änderung der Diksriminierungsrichtlinie im Pressecodex nach den Ereignissen von Köln zu Silvester 2015/16 geändert. Seither kann die Herkunft genannt werden, „wenn ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit“ vorliegt. Diskutiert wird immer wieder wann und wann nicht die Herkunft genannt werden sollte.

Nach ethischen Gesichtspunkten halten wir es in diesem Fall für nebensächlich bis überflüssig, die Herkunft des Täters zu nennen.  Die Herkunft spielt u.E. nur dann eine Rolle, wenn sie einen Bezug zur Tat aufweist. Bei dem Mord an dem kleinen Jungen war das öffentlichkeitsrelevante Kriterium jedoch nicht die Herkunft, sondern die offenbar psychische Vorerkrankung des Täters.

02. August 2019 von Christine Horz
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Leipziger AktivistInnen fordern Publikumsrat

In einem offenen Brief fordert die Leipziger Gruppe aufstehen – eine Sammlungsbewegung den Ministerpräsidenten von Sachsen, Michael Kretschmer (CDU) dazu auf Publikumsräte einzurichten. Diese sollten die bestehenden Gremien ergänzen und per Losverfahren gewählt werden. Ihr Ziel solle sein, auf Basis eines „Qualitätsberichts die Einhaltung des Programmauftrags durchzusetzen“. Auch sollten Journalisten verpflichtet werden, „den gesetzlich festgelegten Programmauftrag zu erfüllen“.

Die Idee der Etablierung von Publikumsräten ist, nun ja, von uns geklaut. Das freut uns.

Die vorgeschlagene Ausgestaltung der Aufgaben sollte man sich aber genauer ansehen. Zunächst müssten die „per Los gewählten“ RepräsentantInnen eine Ahnung davon haben, was mit Qualität im Journalismus gemeint ist. Es klingt zunächst einfach. Aus der Forschung wissen wir jedoch, wie schwierig es ist Qualitätskriterien aufzustellen und noch viel schwieriger, sie zu messen. Wir finden Qualitätsberichte für Öffentlich-Rechtliche sinnvoll. Auch der Schweizer öffentlich-rechtliche Rundfunk lässt sich durch ein externes wissenschaftliches Institut evaluieren. Das Publikum sollte in die Debatte über Qualität und Public Value aber mit einbezogen werden! Umfassend und nachhaltig. Idealerweise würde das im Austausch mit den WissenschaftlerInnen und den PraktikerInnen stattfinden wie etwa in Österreich.

Mit der „Erfüllung des gesetzlich festgelegten Programmauftrages“ ist es auch so eine Sache. Der ist im Gesetz ganz bewußt vage formuliert, weil wir Presse- und Rundfunkfreiheit haben. Damit nie wieder jemand den Medien sagen kann, was sie zu berichten haben, wie schon häufiger in der deutschen Geschichte vorgekommen.

Außer, dass die Allgemeinheit mit Bildung, Information, Kultur und Unterhaltung zu versorgen sei, steht da wenig konkretes im Gesetz. Viel weniger konkret als beispielsweise in Großbritannien für die BBC. Die Erfüllung des Auftrags ist also Verhandlungssache. Bei der Frage wie der Auftrag erfüllt werden kann, bzw. besser erfüllt werden könnte, sollte das Publikum auf jeden Fall einbezogen werden. Das ist aber nichts, was eine Gruppe feststellen sollte, sondern die Ausgestaltung des Auftrags und der Qualität gehört in die gesellschaftliche Debatte und zwar langfristig.

Bei der Presse ist es noch schwieriger, weil es sich dabei um „Tendenzbetriebe“ handelt wie auch die Kirchen. Die Verlage dürfen also durchaus eine Blattlinie festlegen, nach der Journalisten sich zu richten haben.

Die Idee ist also gut (ist ja auch unsere). Die Machart ist aber nicht wirklich durchdacht. Dennoch:  Vorstöße dieser Art können durchaus Impulse zur Öffnung der Medienregulierung und der gesellschaftlichen Debatte geben.

02. August 2019 von Christine Horz
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Idee der Publikumsbeteiligung trägt Früchte

Der Vorschlag, die öffentlich-rechtlichen Medien stärker von den Bürgern mitgestalten zu lassen haben Christine Horz und Sabine Schiffer bereits 2014 in die Debatte eingebracht. Christine Horz von Publikumsrat e.V. führte in den vergangenen Jahren zahlreiche Gespräche mit Politiker*innen und Medienverantwortlichen, brachte die Idee erfolgreich in die gesellschaftliche Debatte ein, unter anderem als Mitverfasserin der 10 Thesen zur Zukunft der Öffentlichen-Rechtlichen.

Die Idee der Bürgerbeteiligung in einem wissenschaftlichen Projekt näher zu erforschen wurde dann vor zwei Jahren mit EPOS konkretisiert und zeigt nun erste Früchte. Volker Grassmuck als Teammitglied ist nun Fellow des CAIS.

Auch die Sendeanstalten signalisieren die Bereitschaft mit uns zusammenzuarbeiten. Es bleibt spannend!

 

12. April 2019 von Christine Horz
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