Framing als Konzept und Werbestrategie

Seit vergangener Woche diskutiert die Republik heftig über das sogenannte Framing-Handbuch der ARD. Es dürfte sich mittlerweile schon herumgesprochen haben, dass…

  • die ARD vor ca. 2 Jahren die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling damit beauftragt haben, eine Konzept zur besseren Selbstdarstellung des Senderverbands zu verfassen
  • Wehling eine selbstständige Sprachwissenschaftlerin ist, die nicht in Berkeley lehrt und forscht, sondern deren Institut nur den Namen der ehrwürdigen Ivy-League Uni als Marke nutzt
  • Die ARD sowie Wehling selbst haben auf die Kritik reagiert, in dem sie zurückweist, dass es eine Art „Neusprech“ propagiere. Vielmehr handele es sich lediglich um Diskussionsgrundlage und keine Handreichung für die MitarbeiterInnen der ARD.
  • das Manual letztlich vor allem Wehlings Einkommen gesteigert hat.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Framing (Rahmung) sehr individuell wahrgenommen wird – was seine Wirkungspotenziale schmälert. Ähnlich wie Agenda Setting bestimmt es nicht, wie genau wir über einen Sachverhalt denken, sondern mit was wir uns überhaupt auseinandersetzen und welche sprachlichen und visuellen Konventionen verwendet werden. In der Kommunikationswissenschaft hat es, trotz aller Kritik,  durchaus seinen Platz. Zu den Pionieren zählt Robert Entman, der das „Deutungsrahmen“-Konzept für die Forschung erschlossen haben. Allerdings zielt die Foschungs nicht darauf, heruazufinden wie man die öffentliche Wahrnehmung eines Unternehmens verbessert. Vielmehr lassen sich diesem Konzept beispielsweise nicht nur simple Stereotype sondern ganze Deutungsmuster und Denkschemata erforschen, die z.B. die Medienberichterstattung über MigrantInnen oder Muslime prägen. Die Wirkungspotenziale können nur abgeschätzt werden. Da die Berichterstattung überwiegend negativ ist, können Wirkungen angenommen. Es ist also sinnvoll, dass sich JournalistInnen damit auseinandersetzen, da ihr Framing viel mit journalistischer Verantwortung zu tun hat – sie sollten in der Lage sein, ihre Denk- und Sprachmuster zu überdenken, so dass ZuschauerInnen und LeserInnen die politische Debatte einordnen können.

 

04. März 2019 von Christine Horz
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Öffentlich-rechtliches Internet: Gemeinwohlorientierung im digitalen Zeitalter

Viel wird derzeit darüber gesprochen, welche Medien eine Bürgergesellschaft im Digitalzeitalter will und braucht. Der Berliner „Tagesspiegel“ moderiert seit Mitte April 2018 eine Debatte zum Thema, an der nun auch die Vorsitzende des Publikumsrats, Dr. Christine Horz, teilgenommen hat. Im Kern stellt sie die Überlegungen eines Forschungsprojekt vor, an dem ein internationales Konsortium aus  KommunikationswissenschaftlerInnen beteiligt ist. Gefordert ist die Neuformulierung der Gemeinwohlorientierung öffentlich-rechtlicher Medien. Denn diese sollen auch im Digitalzeitalter ihren Funktionsauftrag erfüllen. Christine Horz schlägt demnach im Beitrag vor, dass die Sender künftig mit ähnlichen Institutionen wie Museen und Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten sollten. Auch Bürger wären stärker zu beteiligen  – ideologischem Missbrauch müsste mit einer bürgerzentrierten Medienbildung vorgebeugt werden. Und die Öffentlich-Rechtlichen sollten europäischer werden. Wie dies funktionieren kann, schildert Johannes Hilje in einem weiter Beitrag im Tagesspiegel.

Insgesamt ist es zu begrüßen, wenn Medien die öffentliche Debatte um die öffentlich-rechtlichen Medien selbst zum Thema machen. Denn das ist, was die Gesellschaft beschäftigen sollte – welche Medien wollen und brauchen wir – jenseits von Kommerzialisierung, Fake News und Hass!

 

 

12. Februar 2019 von Christine Horz
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#WDR: Medienprofessor prangert Missachtung des Arbeitnehmerschutzes an

Der Bonner Medienprofessor Hektor Haarkötter kritisiert die Arbeitsbedingungen im WDR in einem Beitrag des Portals meedia scharf. Freie JournalistInnen würden mehr arbeiten, hätten aber so gut wie keine Aufstiegs- und Mitspracherechte im Sender. Die Besetzung der „Freien“ würde zudem auf einem System der Willkür beruhen. Haarkötter bezieht sich auch auf den Bericht von Monika Wulf-Mathies, die die sexuellen Übergriffe im WDR untersucht hatte. Haarkötter, der früher selbst als Journalist im WDR gearbeitet hat, wundert sich darüber, dass Wulf-Mathies diese „ganovenhaften“ Arbeitsbedingungen nicht bemerkt. Haarkötter fordert den WDR auf, das System der Scheinselbstständigkeit der freien Mitarbeiter zu beenden. Zudem fordert er die KEF die Rundfunkbeitragshöhe für Öffentlich-Rechtliche nicht weiter zu verringern, da unter dem Finanzdruck gerade die Freien zu leiden hätten.

06. November 2018 von Christine Horz
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Dänemark schafft Hälfte aller öffentlich-rechtlichen Sender ab

In Dänemark kann man derzeit studieren, was passiert wenn die Rundfunkbeiträge gestrichen werden, wie auch hierzulande vielfach gefordert. Im Frühjahr dieses Jahres wurden die Beiträge abgeschafft. Stattdessen wurde auf ein steuerfinanziertes Modell umgestellt, das sich nach der Höhe der Einkommen richtet. Das klingt auf den ersten Blick sozialverträglicher als ein Beitragsmodell. Doch nun werden die Hälfte der öffentlich-rechtlichen TV-Sender geschlossen, von acht Radiostationen bleiben fünf übrig, hunderte JournalistInnen werden arbeitslos.

Die Handschrift der rechtsextremen Danske Folkeparti (Dänische Volkspartei), mit deren Duldung das liberalkonservative Regierungsbündnis besteht, ist deutlich erkennbar. So sollen sage und schreibe 48% der Musik im Radio dänischen Ursprungs sein. Mit den neuen Programmrichtlinien, die mit der DF ausgehandelt wurden, soll das Programm auch „christlicher“ werden. Bis is zu 400 Stellen werden nun gestrichen, so dass fraglich ist wie qualitativ hochwertige Berichterstattung aufrecht erhalten werden kann.

Dänemark zeigt: eine Steuerfinanzierung hölt die öffentlich-rechtliche und gemeinwohlorientierte Idee aus und trägt dazu bei, die Sender zu ruinieren und das freie Wort abzuschaffen.

25. September 2018 von Christine Horz
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#Zapp: #MeTwo-Debatte: Vielfalt im Journalismus selten – Rassismus verbreitet

Das NDR-Medienmagazin ZAPP widmet sich einem wichtigen Thema – endlich, möchte man sagen. Denn Rassismus ist leider ein weit verbreitetes Problem in der Mitte der Gesellschaft. Laut „Mitte-Studien“ haben etwa 20-25% der Bevölkerung ein verfestigtes rechtsextremes Weltbild. Wenig wurde bislang über die Opfer von Alltagsrassismus gesprochen. Nun bündelt der Twitter Hastag #MeTwo Erfahrungen der Betroffenen.

ZAPP sendet anlässlich der Debatte eine Reihe von Beiträgen und Interviews zum Thema – und tatsächlich recht selbstreflektiert, denn auch in der ZAPP-Redaktion mangelt es an vielfältigen Perspektiven. Damit steht sie nicht alleine da, denn durchschnittlich arbeiten in Deutschland 3-5% Journalist*innen mit einer Migrationsgeschichte – obwohl 21% der Bevölkerung eine solche zugeschrieben wird. Der Mittelschicht-Habitus der professionellen Bildungselite, der auch die meisten Journalist*Innen angehören, wurde bisher noch zu wenig bedacht. Er führt dazu, dass in Nachrichtenredaktionen mit den immer gleichen Perspektiven auf Themen wie Migration oder Regionen wie den Nahen Osten geschaut wird.

Seit Jahrzehnten weisen Medien- und Kommunikationswissenschaftler auf diese Defizite hin – es wäre gut, wenn nun endlich eine ehrliche und selbstkritische Debatte angestoßen wäre. Das Thema Hate-Speech, institutioneller und Alltagsrassismus gegenüber Journalist*innen gehört zu dieser Debatte.

10. August 2018 von Christine Horz
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#ARD und #ZDF: Programmprioritäten und -kosten

Laut 21. KEF Bericht 2018 sanken die Erstsendungen in der Prime-Time (19:00-23.00 Uhr) bei der ARD und ZDF in den vergangenen Jahren. Die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs“, KEF, für ARD und ZDF ist eine unabhängige Kommission, die in regelmäßigen Abständen den Mittelbedarf der Sender und die Höhe der Rundfunkbeiträge prüft.

Zwischen 2007 und 2018 verringerten sich die Erstsendungen im Ersten (ARD) von 87,6% auf 83, 4%. Beim ZDF von 85,6% auf 84,7%.

„Das Erste Programm zeigt hinsichtlich der Erstsendeminuten eine deutliche Vorrangstellung für das Ressort „Politik und Gesellschaft“.“  Mit deutlichem Abstand folgen die Ressorts „Familie“, „Sport“, „Unterhaltung“ und „Spielfilm“ (s. Abb. 4)…. Der finanziell bedeutendste Programmbereich ist im Ersten Programm „Sport“ mit 443,8 Mio. €. … Die höchsten Selbstkosten pro Erstsendeminute verzeichnet beim Ersten Programm das Ressort „Fernsehspiel“, gefolgt von „Spielfilm“, „Sport“, „Musik“, „Unterhaltung“ und „Kultur und Wissenschaft“.“, so der KEF-Bericht (S. 52).

Was bedeutet das? Zunächst kann festgestellt werden, dass die Verringerung der Erstsendungen wohl mit der Erhöhung der Wiederholungen einhergeht, denn gesendet wird im Vollprogramm also durchgängig. Die Tendenz zu weniger Erstsendungen hat sich bei der ARD deutlicher gezeigt als beim ZDF, das allerdings auf einem grundsätzlich niedrigeren Niveau rangiert. Zweitens ist der Anteil an Erstsendungen dennoch recht hoch. Drittens überraschen die Programmprioritäten „Politik und Gesellschaft“. Diese sind diese recht teuer zu produzieren (300 Mio € pro Sendeminute) und die Anzahl der Erstsendeminuten ist mit 120.000 mit die höchste. Die ARD investiert die Rundfunkbeiträge deutlich in Politik und Gesellschaft, auch Sport. Unerwartet dürften die großen Investitionskosten in qualitätvolle Filme wie in der Reihe Fernsehspiel sein. Hier liegt die Zahl der Erstendeminuten bei 10-30.000 bei etwa gleichen Kosten (Stand 2016).

Ähnlich das ZDF. Auch hier genießt der  Programmbereich „Politik“ die höchste Priorität. Der finanziell bedeutendste Programmbereich ist auch hier „Sport“ (385,8 Mio), gefolgt von “ „Fernsehfilm/Serie I (Krimis u.a.) und II (Melodramen u.a.)“. Es folgen „Politik“ und „Aktuelles“. Die höchsten Selbstkosten pro Erstsendeminute wendet das ZDF für das Ressort „Fernsehfilm/Serie II“ auf, gefolgt von „Fernsehfilm/Serie I“ und „Sport“.“

Fazit: Aus dem KEF-Bericht geht hervor, das Wiederholungen leicht zunehmen, und dass in Sport aber auch in Spielfilme und Politik und Gesellschaft viel investiert wird, wobei letzere aus Selbstkosten, u.a. Rundfunkbeiträgen, finanziert werden.

02. August 2018 von Christine Horz
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Rundfunkbeitrag: Entlastung für Zweitwohnungsnutzer

Das Bundesverfassungsgericht hat den Klägern teilweise Recht gegeben. Nutzer einer Zweitwohnung müssen nur noch einmal zahlen. Damit werden viele Berufspendler entlastet, die  in einem Ort wohnen und im zweiten eine weitere Wohnung aus beruflichen Zwecken unterhalten müssen.

Über eine solidarische Entlastung für Haushalte mit geringem Einkommen, etwa in Form prozentualer Beiträge oder der Möglichkeit, sich befreien zu lassen, hat das Gericht hingegen nicht entschieden.

Es begründet seine Entscheidung, dass der Beitrag, wie alle Beiträge, dafür gezahlt wird, dass ein Nutzer die öffentlich-rechtlichen Medien nutzen kann. Damit handelt es sich um einen Solidarbeitrag und nicht um eine Steuer, wie einige Kläger behaupteten – ähnlich der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch hier zahlen Gesunde grundsätzlich solidarisch für Kranke mit. Gesunden stehen die Dienstleistungen ebenfalls im Krankheitsfalle zur Verfügung. Sie müssen sie also nicht, sondern können sie im Bedarfsfall nutzen. Diese Vorstellung geht aus dem Funktionsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen hervor, denn sie sollen ja die Grundversorgung der Bevölkerung mit Information, Kultur, Unterhaltung und Bildung sicherstellen.

Letzte Umfragen der Gesellschaft für Kosnumforschung von 2018 bestätigen, dass beispielsweise der ARD-Medienverbund über alle Ausspielwege 94% der Bevölkerung in Deutschland erreicht. Laut statistischem Jahrbuch 2016 (S. 172) verfügen 97% der Haushalte über ein Fernsehgerät. Die vielbeschworene Formel „Ich nutze das gar nicht“ scheint also so nicht zu stimmen.

Obwohl die Öffentlich-Rechtlichen für Medienpluralismus stehen und offenbar fast flächendeckend genutzt werden, wäre es doch sinnvoll einen Beitrag zu haben, der sich stärker an den Einkommen orientiert. Es wäre solidarischer.

19. Juli 2018 von Christine Horz
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Direktorin des Grimme-Instituts stellt Prozess der Medienregulierung in Frage

Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, fordert in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel, dass das Publikum an Medienpolitik und -regulierung beteiligt sein sollte. Sie hinterfragt zuvor kritisch, warum nur einflussreiche Akteure wie Politiker*innen und Vertreter*innen öffentlich-rechtlicher und kommerzieller Medien über die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen und der Medienlandschaft insgesamt bestimmen können. Gespräche und Anhörungen fänden weit vor den politischen Abstimmungsprozessen statt und böten Möglichkeiten der breiteren Debatte und Beteiligung.

„Der gegenwärtig so notwendige gesellschaftliche Diskurs über den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Digitalen, seine gesellschaftliche Funktion im demokratischen Meinungsbildungsprozess, wird öffentlich kaum geführt. Vielmehr reduziert sich die öffentliche Debatte sehr verkürzt auf die Frage der Höhe des Rundfunkbeitrages.“ […] Damit sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit einer starken Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger im digitalen Zeitalter entwickeln kann, bedarf es einer inhaltlichen Debatte, bei der es um die gesellschaftliche Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehen muss. Diese ist längst überfällig.

[…] Dies bedeutet, dass nicht nur privilegierte Akteure an den Willensbildungsprozessen beteiligt werden. Auch reichen Expertenkommissionen nicht aus. Sie können bestenfalls den Weg bereiten, indem sie beispielsweise Konsultationsvorschläge erarbeiten.“

23. Juni 2018 von Christine Horz
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Telemedienauftrag: was dürfen ARD und ZDF im Netz?

Am 14. Juni einigten sich die Ministerpräsidenten der Länder auf einen Kompromiss und stellten Kernpunkte des neuen Telemediengesetzes vor, das Möglichkeiten und Grenzen der Öffentlich-Rechtlichen im Internet festlegt.

Kernpunkt der jahrelangen Auseinandersetzung war die Kritik der Verleger an der „Presseähnlichkeit“ der Internetangebote von ARD und ZDF. Ihre Textlastigkeit sei eine Konkurrenz für die Zeitungsverlage und würde ihnen die Geschäftsgrundlage entziehen. Schließlich seien ARD und ZDF aus Rundfunkbeiträgen finanziert, so dass deren Angebote wettbewerbsverzerrend wirkten, so die Argumentation der Verleger.

Die Einigung von letzer Woche zielt im Kern darauf ab, dass die Öffentlich-Rechtlichen weniger textbasiert im Netz auftreten, dass die Löschfrist ihrer Inhalte von 7 Tagen entfällt und dass eine Schiedsstelle, bestehend aus Verleger- und SendervertreterInnen in strittigen Fragen vermitteln soll. Alle Seiten zeigten sich zunächst mit dem Kompromiss zufrieden – doch wie bewerten Medienexperten den neuen Telemedienauftrag der Sender?

Heiko Hilker,  Mitglied des MDR Rundfunkrats, sieht die Einigung kritisch, weil der Einfluss des Verlegerverbands BDVZ, in Person seines Vorstands Mathias Döpfner, deutlich erkennbar sei. Er verkündete das Ergebnis und wird gemeinsam mit den Sendern die Schiedstelle bestücken – allerdings sind rein rechtlich die Gremien der Sender dafür verantwortlich, über die Erfüllung des Funktionsauftrags zu wachen.

So sieht es auch die Medienfachpolitikerin Tabea Rößner (GRÜNE). Die Einigung sei verfassungswidrig und ein Verlust für die Bürgerinnen und Bürger.

„Das Festhalten am Verbot der Presseähnlichkeit manifestiert ein veraltetes Denkkonstrukt, das angesichts der heutigen und vor allem zukünftigen Realitäten einer konvergenten Mediennutzung keinerlei Gültigkeit mehr beanspruchen kann und daher endlich hätte abgelöst werden müssen. Dagegen greift man mit den nunmehr positiven Vorgaben, wie die Angebote inhaltlich und formal zu gestalten sind (nämlich Bewegtbild oder Ton), sogar noch in den Kern der Programmautonomie der Sender ein, die nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zentraler Bestandteil der Rundfunkfreiheit ist. Damit stellt sich die Frage, inwieweit diese Regelung verfassungsgemäß ist. Bedenklich ist auch die Einführung einer „Schlichtungsstelle“, die mit Vertreterinnen und Vertretern der Rundfunkanstalten sowie der Presse besetzt sein soll. Es ist geradezu absurd, dass in Zukunft Pressevertreter über die konkrete Umsetzung des öffentlich-rechtlichen Auftrags mitentscheiden dürfen.“

Leonhard Dobusch, Mitglied des ZDF Fernsehrats und Professor für Digitale Medien, benennt 8 Gründe für öffentlich-rechtliche Texte im Netz, u.a. Auffindbarkeit. Denn Suchmaschinen arbeiten textbasiert. Außerdem sei Journalismus aufgrund der Medienkonvergenz immer cross-medial. Er betrachtet das neue Gesetz als Kapitulation der Politik vor der Verlegerlobby.

Dem können wir nur beipflichten. Es wird immer deutlicher, dass die Politiker keine Innovation der Öffentlich-Rechtlichen befürworten, sondern für diese offenbar das langsame Sterben vorbereiten. Angesichts Fake News und Hetze im Netz wäre es ein Verlust für die Demokratie und letztlich uns alle. Rößner schlägt eine „Expertenkommission aus Medienrechtlern, Soziologen und Medienwissenschaftlern“ vor. „Mit einem Blick von außen könnte diese Expertenkommission endlich stellvertretend die Diskussion führen, die verhakte Situation zwischen Ländern und Sendeanstalten auflösen und jenseits deren Standort- oder Eigeninteressen Vorschläge für eine wirklich zukunftsgerichtete Reform erarbeiten.“ Eine sinnvolle Idee, die beispielsweise in Österreich und der Schweiz schon erfolgreich erprobt wird.

19. Juni 2018 von Christine Horz
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ARD: Hart-aber-fair und die Macht der Sprache

Die letzte Hart-aber-fair Sendung vom 4.6.2018 mit dem Titel: Flüchtlinge und Kriminalität bedient sich deshalb rechtspopulistischer Ressentiments, weil sie den Sprachduktus der Rechten aufgreift. Die Kombination aus Flüchtlingen und Kriminalität suggeriert einen unmittelbaren Zusammenhang, der sich bei näherer Betrachtung relativiert. Er greift außerdem einen Negativaspekt heraus. Nach der Framing-Theorie wird dadurch die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Kriminalität gelenkt. Alles andere verblasst dahinter, nämlich dass die Mehrheit der Flüchtlinge unaffällig ist, dass tausende von Deutschen und Flüchtlinge Freunde geworden sind, durch das große Engagement der HelferInnen – und dass es in den letzten Jahren tausende rechtsmotivierte Angriffe auf Flüchtlinge gab. Die Macht der Sprache ist dabei nicht zu unterschätzen, denn wenn Flüchtlinge und Kriminalität als Frame verankert sind, gelangen alle weiteren Relativierungen oder Differenzierungen nicht mehr ins Gehirn.

Mit dem Thema Rechtsterrorismus halten sich deutsche Talksshows auffallend zurück, wie der Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow in einer Untersuchung herausfand. Sie offenbart ein unglaubliches Missverhältnis – in jeder 4. Sendung ging es um Flüchtlinge. Stellt man sie in den Kontext von (Islamistischem) Terror war es gar jede 2. Sendung. Dem Rechstterror widmete sich  im Untersuchungszeitraum Oktober 2015-März 2017 (204 Sendungen) eine einzige Sendung. Damit bestätigt seine nichtwissenschaftliche Studie die vorliegenden kommunikationswissenschaftlichen Analysen. MigrantInnen wurden und werden meist negativ konnotiert.

Für Hart-aber-fair ist das offenbar kein Problem, wie der folgende Re-Tweet belegt. Die Ignoranz der JournalistInnen in der Redaktion ist erschreckend – sie glauben immer noch, dass es eine beobachterunabhängige Realität gibt und sie eine (objektive) Realität abbilden – sie müssen Gott sein. Empfehlenswert auch das Interview mit Johannes Hillje in der SZ. MediennutzerInnen können daran ihre Frame-Kompetenz schulen.

06. Juni 2018 von Christine Horz
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