#PublicOpenSpace: ARD-Vorsitzender greift Idee von Wissenschaftlern auf – Publikumsrat

#PublicOpenSpace: ARD-Vorsitzender greift Idee von Wissenschaftlern auf

In einem Interview mit dem Hamburger Abdendblatt plädiert Ulrich Wilhem, derzeitiger Vorsitzender den ARD, für den Aufbau einer gemeinsamen „Plattform der Qualitätsanbieter im Netz, an der sich die Öffentlich-Rechtlichen, die Verlage, aber auch kulturelle Institutionen wie Universitäten, Theater, Museen und viele andere beteiligen könnten“. Eine solche Plattform solle idealerweise auf europäischer Ebene entstehen, „weil dafür eine Reihe rechtlicher Entscheidungen getroffen werden müssten: Kartellrecht, Urheberrecht, Telekommunikationsrecht.“ Wilhelm schwebt eine Lösung „in einem kleineren Rahmen“ vor, „etwa mit Deutschland und Frankreich als Start“.

Nur in Teilen greift Wilhem damit die Forderung führender Wissenschaftler auf. Er spricht sich zwar für eine europäische Online-Plattform für öffentlich-rechtliche Inhalte und mehr Vernetzung der Sender mit der Gesellschaft aus. Doch anders als die Wissenschaftler um das  European Public Open Space (EPOS) Projekt – zu der auch die Vorständin der Initiative Publikumsrat, Dr. Christine Horz gehört, soll Wilhelms Plattform öffentlich-rechtliche Anbieter mit kommerziellen vernetzen. Die Gefahr besteht, dass – ähnlich wie es das duale Rundfunksystem zeigt – sich die Marktlogik auf öffentlich finanzierte Inhalte auswirkt. Demgegenüber fordern die Wissenschaftler um EPOS, ein rein öffentlich-rechtliches Internet zu initiieren, so dass die Abhängigkeit von kommerziellen Anbietern vom vornherein unterbunden wird. Schon heute ist diese ausgeprägt, etwa durch die Einbettung öffentlich-rechtlicher Inhalte in Facebook, Youtube und Co., deren Rechtssitz in den USA ist und die sich letztlich über Werbeeinnahmen finanzieren. Gäbe es ein vergleichbar attraktives öffentlich-rechtliches Angebot in Europa, läge die Chance darin, dass öffentlich-rechtliche Medien im engen Dialog mit dem Publikum ihre Inhalte möglichst unabhängig von kommerziellen Interessen gestalten können. Dies dient der Demokratie und nicht der Wirtschaft.

16. März 2018 von Christine Horz
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