#metoo: der NDR und das mediale Sexismusproblem – Publikumsrat

#metoo: der NDR und das mediale Sexismusproblem

Schon viel ist darüber getwittert und geschrieben worden – der NDR hat ein Sexismus-Problem und ist offenbar Wiederholungstäter. Gestern abend sollte die Sendung Anne Will just über das Sexismus Problem zu sprechen, als die Kamerafahrt Verena Poths Körper von unten nach oben abfilmte.

Das Problem-Dispositiv des Sexismus in den Medien umfasst aber nicht nur den voyoristischen Blick auf Frauen, die mediale Aufmerksamkeit auf die jugendlich-schöne Frau oder Statistenrollen, die Frauen häufig in Fernsehsendungen einnehmen – viele würden den Bechdel-Test wohl nicht bestehen – das Problem ist breiter und tiefer zu fassen, denn alle „Minderheiten“ (im konzeptionellen Sinne, der ja gerade den tatsächlichen Bevölkerungsanteilen widerspricht) sind betroffen. So werden nicht nur Frauen als Objekte inszeniert, sondern auch Eingewanderte, Geflüchtete, Angehörige religiöser Minderheiten wie dem Islam sowie Schwarze Menschen. Öffentlich-rechtliche Medien haben nicht nur ein Sexismus-Problem sondern auch ein Rassismus-Problem. Wer nachlesen möchte, wie sich Betroffene fühlen, findet in den Kommentarspalten einer Petititon zahlreiche Belege. Häufig werden diese Kategorien intersektionell miteinander vermischt, also beispielsweise das Geschlecht und die Herkunft. Das Ausmaß der Probleme ist zum Teil sicher damit zu erklären, dass Frauen in den Berufen hinter der Kamera nach wie vor rar sind. Chefredakteurinnen gibt es selten und ein weiteres Problem ist die Beratungsresistenz der öffentlich-rechtlichen Sender, wenn es um die Forderung nach umfassender Schulung aller Mitarbeiter – auch jene der Kooperationsfirmen – und eines konsistenten Diversity Konzepts geht.

In der Tat sollten die öffentlich-rechtlichen Sender hier Vorbild für andere gesellschaftliche Institutionen sein, weil ein zentraler Auftrag diskrimminierungsfreie Inhalte betrifft. Sexismus und Rassismus sollten hier schon gar nicht vorkommen.

 

14. November 2017 von Christine Horz
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